5. Sonntag im Jahreskreis A
Eröffnungsvers
Ps 95 (94), 6-7
Kommt, lasst uns niederfallen,
uns verneigen vor dem Herrn, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott.
Ehre sei Gott
Tagesgebet
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung
allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
ERSTE Lesung Jes 58, 7-10
Wenn du den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf
Lesung aus dem Buch Jesaja
So spricht der Herr:
7Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die obdachlosen Armen ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deinen Verwandten.
8Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
9Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest,
10dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Antwortpsalm
Ps 112 (111), 4-5.6-7.8-9 (R: 4a)
R Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht. - R
(GL neu 640,1)
(Oder: Halleluja.)
4 Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht:
VI. Ton
der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.
5 Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist,
der das Seine ordnet, wie es recht ist. - (R)
6 Niemals gerät er ins Wanken;
ewig denkt man an den Gerechten.
7 Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung;
sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn. - (R)
8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie;
denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger.
9 Reichlich gibt er den Armen,
sein Heil hat Bestand für immer;
er ist mächtig und hoch geehrt. - R
Zweite Lesung1 Kor 2, 1-5
Ich habe euch das Zeugnis Gottes verkündigt: Jesus Christus, den Gekreuzigten
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther
1Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen.
2Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
3Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.
4Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden,
5damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.
Ruf vor dem Evangelium
Vers: vgl. Joh 8, 12
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mit nachfolgt, hat das Licht des Lebens.
Halleluja.
Evangelium Mt 5, 13-16
Euer Licht soll vor den Menschen leuchten
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Die kostbaren Körner des Salzes
Es ist ein hoher Anspruch, den Jesus an seine Jünger stellt. Wie das Salz die Speisen genießbar macht, ihnen die Würze verleiht, den Appetit anregt, sollten die Seinen die ganze Erde, das heißt die ganze Menschheit schmackhafter, angenehmer und liebenswürdiger machen, Freude am Guten und Lust am Leben wecken.
Die Stimmen der von der Kirche Enttäuschten sind uns bekannt. Weil all das Gesagte nicht geschieht, sei ihnen das Interesse am Christentum vergangen.Die Klage ist in vielem berechtigt. Aber sie allein hat noch nichts verändert. Besser ist es, danach zu suchen, ob es nicht doch einige Körner echten, guten Salzes auch in der geschmähten Kirche gibt.
Da kommt die oberste Spitze, über die sich häufig so viele aufregen, gar nicht so schlecht weg. Wir können auf den regierenden Papst Franziskus hinweisen, der durch sein Wesen und sein Auftreten für immer neue Überraschungen sorgt.. Darüber steht viel in den Zeitungen und wird viel diskutiert. Aber es ist auch erlaubt, auf den fast schon vergessenen Johannes XXIII. hinzuweisen, der vor 50 Jahren eine neue Periode der Kirchengeschichte eingeleitet hat.
Beide verstehen den Auftrag, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, auf ähnliche Weise und versuchen, ihm gerecht zu werden.
Denn zunächst könnte man meinen, Jesus verlange Unmögliches: für alle so dazu sein, dass sie sich ein Beispiel nehmen, um ernster und frömmer zu werden, und sie zu warnen, nicht falschen Lehren nachzulaufen, sie immer erneut zum Guten anzuhalten, vielleicht sogar anzutreiben. Wer sich zu solchem Tun verpflichtet fühlt, dem ist sehr bald anzumerken, dass für ihn das Joch Jesu kein leichtes ist. Wer unter Druck steht, sendet keine frohmachende Botschaft aus.
Beim Salz ist es so, dass es keine Worte hat und auch keine braucht, sondern einfach durch seine Substanz, durch sich selbst wirkt. Übertragen wir das Bild in die Wirklichkeit der gelebten Nachfolge Jesu. Da können wir an der Gestalt des heutigen Papstes wie seines Vorgängers einiges ablesen. Es gibt Parallelen, wie beide ihren Auftrag verstehen. Beide fallen in der Öffentlichkeit durch ihre Einfachheit und Nähe zu den Menschen auf. Der vor einem Jahr zum Papst gewählte Jorge Bergoglio machte Schlagzeilen, als er keine eigenen Papstschuhe anzog, mit dem Omnibus fuhr statt mit eigener Limousine, als er im Gästehaus blieb und nicht in den großen Palast einzog. Als Bischof von Buenos Aires hatte er es dort genauso gehalten. Über diese Zeit haben die Medien schon genügend berichtet.
Es lohnt sich auf diesem Hintergrund, noch einmal auf seinem Vorgänger Angelo Roncalli einzugehen, um Ähnlichkeiten zu entdecken. Als dieser noch Bischof von Venedig war, konnte man in seinem Auftreten vom hohen Rang eines Kardinals und eines „Patriarchen" nichts bemerken. In einer Lebensbeschreibung heißt es von ihm:
„Die Venezianer waren von ihm begeistert. In sein karg eingerichtetes Palais konnte jedermann kommen, ohne Voranmeldung und protokollarische Formalitäten. Ein eigenes Motorboot wollte er nicht haben, lieber plauderte er in den öffentlichen Verkehrsmitteln mit den Fahrgästen. "Kommt, setzt euch zu mir", ermunterte er die Leute im vaporetto, dem Bootsbus. "Ihr zahlt dasselbe Fahrgeld wie ich. Kommt wir wollen uns ein wenig unterhalten."
Man sah den Patriarchen in einem Café in der Nähe des Markusplatzes sitzen, wo er sich ein Gläschen vino bianco munden ließ. Man traf ihn am Kai des Canal grande, wo er sich auf den Steinstufen ausruhte und mit den Gondolieri diskutierte.
Kritiker könnten einwenden: Ist das nicht ein Anbiedern, um die Gunst der Masse zu gewinnen, wie es so manche Politiker tun?
Der Unterschied dürfte wohl sein: Er, der hochgestellte Kirchenmann, tat es absichtslos, ohne Hintergedanken, einfach so, weil er die Menschen mochte und Lust hatte, mit ihnen zu plaudern und weil es ihm auch selbst gut tat. Wie er war, was er sagte und wie er handelte, war echt, kam aus einem frohen und gütigen Herzen. Es waren Begegnungen von Mensch zu Mensch.
Er wollte niemand bekehren, aber so ziemlich alle waren beeindruckt von seiner Liebenswürdigkeit, von seinem wohlwollenden Interesse für die Sorgen der Leute. Da sprang ein Funke über, der Sympathie und Begeisterung auslöste, manchmal auch ein Schmunzeln. Es entstand ein Klima, das mit Vertrauen, Offenheit, Heiterkeit umschrieben werden kann.
Genau diesen Stil seiner Amtsführung hat er dann als Papst weiter praktiziert und dadurch ein weltweites Echo ausgelöst, das durchaus wahrnehmbare Spuren hinterließ. Es kam vor, dass der Papst plötzlich in der Stadt zu sehen war und sich mit einem Zeitungsverkäufer unterhielt. Es werden viele Anekdoten erzählt, die immer darauf hinauslaufen, wie echt, wie einfach, wie liebenswürdig doch dieser Papst war. Er lebte Grundhaltungen, auf die das Symbol des Salzes zutrifft: Echtheit, Einfachheit und Absichtslosigkeit. Dies ging einher mit der Fähigkeit, eine Situation oft mit Humor so zu gestalten, dass alle beeindruckt und erfüllt weggingen. Menschliches Empfinden und unverstellte, tiefe Frömmigkeit waren für ihn keine Gegensätze. Es tat gut, mit ihm zu reden, es ging einem einfach das Herz auf, berichten die, welche mit ihm in Berührung kamen. Er hat zwar nicht der ganzen Menschheit aber doch vielen das Leben etwas schmackhafter, angenehmer und liebenswerter gemacht. Er hatte die Kraft, andere zu überzeugen weniger durch intellektuelle Beredsamkeit, eher durch die Art, wie er etwas aus der Weisheit seines Herzens heraus vorbrachte.
Wenn Echt Sein mit der Wirkung des Salzes verglichen werden kann, dann kann es auch sehr herb werden. Seiner inneren Wahrheit zu folgen fordert Opfer, die aber nicht ein Leben einengen und bedrücken, sondern ihren Lohn in sich tragen: Zufriedenheit, Stimmigkeit, Freude und geistige Unabhängigkeit. Es bildet sich wie von selbst eine Persönlichkeit, welche als angenehm empfunden wird und Nähe stiftet. Man darf bei aller Bescheidenheit von einem Licht für die Welt (Mt 5,14). sprechen.
Dieses darf man wohl mit Recht von den beiden Päpsten sagen.
Glaubensbekenntnis
Fürbitten: Im Jahreskreis
Zur Eucharistiefeier Herr, du bist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Lebe in mir, leuchte in mir, mach mich durchlässig für dein Licht.
Gabengebet
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
Kommunionvers
Ps 107 (106), 8-9
Wir wollen dem Herrn danken für seine Huld,
für sein wunderbares Tun an den Menschen,
weil er die hungernde Seele mit seinen Gaben erfüllt hat.
SCHLUSSGEBET
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Lass uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE
Licht sein
Jesus Christus, der lebendige Mensch
ist für dich
die Herrlichkeit deiner Gegenwart
und ein Licht unter den Völkern,
weil durch ihn dein Leben
über die vier Himmelsrichtungen
die ganze Erde erreicht.
Wir sind da, jeder in seiner Art,
um dieses Licht zu sein,
das die Herzen der Menschen erwärmt
und die Freude Gottes weitergibt. (Frère Roger)
Hinter einer recht ungewöhnlichen Erscheinung steht eine ebenso lange Geschichte harter Arbeit, ein Weg voller Achtsamkeit für die Menschen und voller Aufmerksamkeit für das, was das innere Wachstum weiterbringt.
Es ist sicher berechtigt, auf den Mann, der das Petrusamt auf die beschriebene Weise ausübte, Hierher passt gut jenes Ereignis, das in der Zeit des Kalten Krieges großes Aufsehen erregte, als der Chefredakteur der Moskauer Regierungszeitung Iswestija und Schwiegersohn des sowjetischen Staats -und Parteichefs Nikita Chruschtschow Alexej Adschubej und dessen Frau Rada vom Papst empfangen wurden. Es entwickelte sich eine sehr herzliche Atmosphäre, welche das Eis der Entfremdung, der Vorurteile und Angst schmelzen ließ. Wir schauen einander in die Augen und da sehen wir ein Licht", sagte Johannes zu dem Mann aus Moskau und dies war ehrlich gemeint.
Es war gewiss ein Höhepunkt seiner Art, mit Menschen anderer Weltanschauung und fremder Herkunft umzugehen.
Wir dürfen hinzufügen: Dieses Licht ging von ihm aus und hat das Leuchten der Augen der andern hervorgerufen.
Dieses Licht ist auch in uns. Wenn es für andere leuchtet, werden wir bald merken, dass der Auftrag Jesu leicht ist und Freude macht.
Array