Erster Fastensonntag  A 22.02 2026

Gott will nicht den Tod, sondern das Leben. Jesus ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben (Joh 10,10). In ihm ist der neue Mensch sichtbar geworden, der ursprüngliche Mensch, wie Gott ihn am Anfang gemeint und geschaffen hat: der nicht nur vom Brot lebt, sondern vom Wort des lebendigen, anwesenden Gottes.
Eröffnungsvers
Ps 91 (90), 15-16
Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören.
Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.
Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn mein Heil schauen.
Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Zur 1. Lesung Die Erschaffung des Menschen aus Ackererde und göttlichem Lebensgeist, sein Wohnen im Garten Eden und seine Vertreibung daraus als Folge der Sünde: das alles liegt seiner Natur nach vor und außerhalb jeder eigentlichen Geschichte und Geschichtsdarstellung. Dem biblischen Verfasser geht es darum, Fragen und Probleme des Menschenlebens zu klären. Warum muss es für den Menschen so viel Leid geben und schließlich den Tod? Antwort: Gott will den Tod nicht; der Mensch selber wählt den Tod, indem er sich von Gott, der Quelle des Lebens, entfernt. Der von Christus erlöste Mensch, der die Gemeinschaft mit Gott wieder gefunden hat, erfährt den Tod nicht mehr als Zerfall, sondern als Übergang und Verwandlung.

 

ERSTE Lesung Gen 2, 7-9; 3,1-7


Erschaffung und Sünde der Stammeltern
Lesung aus dem Buch Genesis
7Gott, der Herr, formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
8Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
9Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von gut und böse.
1Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
2Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
3nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
4Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.
5Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.
6Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.
7Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Antwortpsalm
Ps 51 (50), 3-4.5-6b.12-13.14 u. 17 (R: vgl. 3)

R Erbarme dich unser, o Herr,
(GL neu 639,1)
denn wir haben gesündigt. - R
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,
IV. Ton
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
4 Wasch meine Schuld von mir ab,
und mach mich rein von meiner Sünde! - (R)
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten,
meine Sünde steht mir immer vor Augen.
6ab Gegen dich allein habe ich gesündigt,
ich habe getan, was dir missfällt. - (R)
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! - (R)
14 Mach mich wieder froh mit deinem Heil;
mit einem willigen Geist rüste mich aus!
17 Herr, öffne mir die Lippen,
und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden. - R
Zur 2. Lesung Adam und Christus bilden das große Thema der drei Lesungen an diesem Sonntag. In der 2. Lesung werden beide einander ausdrücklich gegenübergestellt. Der Ungehorsam des Ersten hat zum Tod geführt, der Gehorsam des Zweiten hat für die vielen, das heißt für alle, den Weg zum Leben, zur bleibenden Gemeinschaft mit Gott wieder eröffnet.

ZWEITE Lesung Röm 5, 12-19

Wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden (Röm 5,20b)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Römer
Brüder!
12Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten.
13Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
14dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht wie Adam durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten; Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist.
15Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheim gefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteil geworden.
16Anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe: Das Gericht führt wegen der Übertretung des einen zur Verurteilung, die Gnade führt aus vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung.
17Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus.
18Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt.
19Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

Ruf vor dem Evangelium
Vers: vgl. Mt 4, 4b
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - R
Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Zum Evangelium In der Wüste wird Jesus vierzig Tage lang vom Teufel versucht, d. h. geprüft, getestet. Adam hatte im Paradies der Versuchung nachgegeben. Israel war in der Wüste von Gott selbst geprüft worden und hatte die Prüfung nicht bestanden. In Christus gehen Israel und die Menschheit den Weg zurück unter Gottes Wort und seine Königsherrschaft. Hunger nach Reichtum, Ehre und Macht: Jesus hat als Mensch diesen dreifachen Hunger erfahren und überwunden.

Evangelium Mt 4, 1-11

Jesus fastete vierzig Tage und wurde in Versuchung geführt
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit
1wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.
2Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.
3Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
6und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
8Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
11Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

Das Böse -  unüberwindbar?

Die Münchner Sicherheitkonferenz hat leichtes Aufatmen gebracht, aber bestehende Drohungen wurden nicht beseitigt und neue Unsicherheiten tun sich auf. Ernsthafte Menschen stellen sich die Frage:
Woher das Böse?
Allerdings kommt es kaum zu einer zufrieden stellenden Antwort. Kommt das Böse davon, weil die ersten Menschen im Paradies vom Baum der Erkenntnis gegessen haben? Ist es ein Defekt in der biologischen Evolution, weil ja Tiere derselben Art einander nicht auffressen? Ist es bloß die Dynamik der genetischen Entwicklung, die solche Erscheinungen als Nebenprodukte hervorbringt? Was ist mit einem weisen, allmächtigen, gütigen Schöpfer, wenn seine Geschöpfe solches einander antun? Man müsste an seiner handwerklichen Kunst berechtigte Zweifel haben. Die Diskussionen führten zu keinem eindeutigen und überzeugenden Ergebnis. Je nach Weltanschauung blieb jeder bei seiner Meinung. Damit war auch niemandem geholfen.
In früheren Zeiten wusste man eine sehr schnelle Antwort auf diese Frage. Es ist der Teufel, der das Böse in die Welt bringt. So steht es ja auch in der Heiligen Schrift wie im Evangelium des heutigen Sonntags.
Eine aufgeklärte Theologenschaft jedoch ist der Meinung, dass es in der Kirche keinen Platz für den Teufel bedarf.
Allerdings ist der Gewinn aus der Abschaffung des Teufels nicht so groß. War dieser Jahrhunderte lang der große Angst- Macher, so traten an seine Stelle andere undurchschaubare Elemente. Es ist inzwischen nicht mehr die Angst vor der Atombombe, es ist die vor der Atomenergie als solche. Dagegen gab es gewaltige Aufläufe und Einsätze. Bei näherem Hinschauen ist es die Angst vor dem, was der Mensch aufgrund seines technisch - wissenschaftlichen Vermögens noch alles produzieren kann. Heute ist es die Angst vor einer fanatisierten religiösen Einstellung, die aber erst durch die westliche Lebenseinstellung in den islamischen Ländern aufgescheucht wurde. Es sind Zweifel angebracht, ob durch die Aufklärung die Seele des Menschen besser geworden ist; schon Goethe hat vor zweihundert Jahren das Problem gesehen. „Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben", heißt es im Faust.
Statt sich in Diskussionen um die Urgründe des Bösen zu verlieren, führt es weiter,
Wege zu suchen, um das Böse zu überwinden. Es ist gar nicht so hilfreich zu sagen:
„Den Bösen gibt es nicht, er ist nur Einbildung!" Oder: „Ich nehme mir vor, das Gute zu tun und das Böse zu meiden".
Schauen wir, wie Jesus das Böse überwunden hat. Bevor er in die Wüste ging, ließ er sich im Jordan taufen. Dabei, so berichtet Matthäus, öffnete sich ihm der Himmel (Mt3,16) und er erfuhr die absolute Liebe. Was das heißt, können wir nur ahnen. Es muss so etwas gewesen sein wie ein Eintauchen in einen Strom der Liebe, der Freude, des Glücks, auch der Erschütterung. Jesus war mit seinem wahren Wesen, dem Vater in sich in unmittelbaren Austausch gekommen. Sein Innerstes ist Gott selbst, es ist das Licht, die Güte, das unbeschränkte Ja zu sich selbst und zu jedem Menschen, der ihm begegnet. Ein Erlebnis, wie es auch die Mystiker kennen, das ihn zu innerst aufgewühlt, nie mehr losgelassen und ihn in die Einsamkeit getrieben hat. Darin lag die Kraft, die sein weiteres Leben bestimmte, das er aber erst verarbeiten musste. Nicht umsonst steht bei Matthäus: „Der Geist führte ihn in die Wüste"(Mt 4,1), bei Markus heißt es sogar: „Der Geist trieb ihn in die Wüste." (Mk1,12).
Jesus trat in Kontakt mit der letzten Tiefe seines Herzens, nicht nur seines eigenen sondern auch der ganzen Menschheit. Und in dieser Tiefe schlummert auch das Böse. Es tat sich nicht nur der Himmel, sondern auch die Hölle auf, verstanden als Bild für den Sitz des verkehrten Begehrens nach Ansehen und Erfolg, Besitz und Macht.
Jesus musste durch sie hindurch und erst dieser Durchgang befähigte ihn, dem Bösen in außergewöhnlicher Weise Widerstand zu leisten.
Es fällt in den Berichten auf, dass in der Nähe Jesu die Dämonen aufschrien und
ausfuhren, was alle Anwesenden erschütterte. Mit anderen Worten er berührte durch seine bloße Existenz. den seelischen Grund der Anwesenden. 
Für uns heißt das: Wer das Böse von der Wurzel her besiegen will, muss sich auf seine Seele einlassen, mit seiner innersten Motivation in Berührung kommen, er muss sein eigenes Herz kennen lernen.
Diesen Weg ist Jesus gegangen. Indem er sich Einbrüchen, Krisen und Unsicherheiten - gewöhnlich Versuchungen genannt- aussetzte, ist er einer von uns geworden und kann uns aus dieser Nähe festen Halt geben.

Glaubensbekenntnis
Fürbitten: Fastenzeit
Zur Eucharistiefeier Gottesdienst will nicht gefeiert, sondern getan werden. Gott dienen: nach ihm fragen, seine Nähe suchen, seinen Willen tun. Jesus hat uns den Weg gezeigt. Er selbst will das Brot sein, das uns für diesen Weg die Kraft gibt.
Gabengebet
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Präfation vom 1. Fastensonntag
oder Präfationen für die Fastenzeit
Kommunionvers
Mt 4, 4
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Oder:
Ps 91 (90), 4
Mit seinen Flügeln schirmt dich der Herr,
unter seinen Schwingen findest du Zuflucht.
Schlussgebet
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für den Tag und die Woche
Sternstunden
Es gibt im Leben einzelner Menschen wie ganzer Völker dann und je Ereignisse von weltgeschichtlicher Tragweite. Nach einem solchen Ereignis ist alles anders als zuvor, und man kann nicht mehr dahinter zurück ... Die Evangelien berichten uns in der Erzählung von der Versuchung Jesu von einem solchen Geschehen, wo im Blick auf die Zukunft der Menschheit alles auf dem Spiel stand ... Wenn Christus als der zweite Adam, dem ersten Adam gleich, abermals gefallen wäre, es wäre über die Menschheit ein auswegloses Verderben hereingebrochen. Es ist hilfreich für uns zu wissen, dass auch Jesus den Kampf wider Sünde und Versuchung kennen gelernt. hat und durchstehen musste. (A. Köberle)

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