19. Sonntag A 09.08.2026
EröffnungsversVgl. Ps 74 (73), 20.19.22.23
Blick hin, o Herr, auf deinen Bund
und vergiss das Leben deiner Armen nicht für immer.
Erhebe dich, Gott, und führe deine Sache.
Vergiss nicht das Rufen derer, die dich suchen.
Ehre sei Gott, S. 375 f.
Tagesgebet
Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, dass wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
.
Erste Lesung1 Kön 19, 9ab.11b-13
Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den HERRN!
Lesung
aus dem ersten Buch der Könige.
In jenen Tagen
kam Elíja zum Gottesberg Horeb.
9abDort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des Herrn erging an ihn:
11bKomm heraus
und stell dich auf den Berg vor den Herrn!
Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
12Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer
kam ein sanftes, leises Säuseln.
13Als Elíja es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
AntwortpsalmPs 85 (84), 9-10.11-12.13-14 (Kv: 8)
Kv Lass uns schauen, o Herr, deine HuldGL 623, 2
und schenke uns dein Heil! - Kv
9Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, *
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
10Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, *
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. - (Kv)
11Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
12Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. - (Kv)
13Ja, der Herr gibt Gutes *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
14Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und bahnt den Weg seiner Schritte. - Kv
Zur 2. Lesung Der Apostel Paulus hat an sich selbst die Macht der Liebe Christi erfahren, muss aber sehen, dass der Großteil seines Volkes Jesus nicht als Messias anerkennt. Ist Israel also nicht mehr das erwählte Gottesvolk? Im Römerbrief ist Paulus diesem Problem nachgegangen (Kap. 9-11), nicht als neutraler Beobachter, sondern als einer, der sein Volk leidenschaftlich liebt. In 9, 4 zählt er die Merkmale auf, die dieses Volk auszeichnen, und die Vorzüge, die Gott ihm verliehen hat. Als Christ weiß Paulus sich seinem Volk auf neue Weise verantwortlich.
Zweite LesungRöm 9, 1-5
Ich wünschte selbst verflucht zu sein, um meiner Brüder willen
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
1Ich sage in Christus die Wahrheit
und lüge nicht
und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist:
2 Ich bin voll Trauer,
unablässig leidet mein Herz.
3Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein,
von Christus getrennt,
um meiner Brüder willen,
die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.
4Sie sind Israeliten;
ihnen gehören die Sohnschaft,
die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse;
ihnen ist das Gesetz gegeben,
der Gottesdienst und die Verheißungen;
5ihnen gehören die Väter
und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach.
Gott, der über allem ist,
er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.
Ruf vor dem EvangeliumVers: Ps 130 (129), 5
Halleluja. Halleluja.
Ich hoffe auf den Herrn,
ich warte auf sein Wort.
Halleluja.
.
EvangeliumMt 14, 22-33
Herr, befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte,
22 drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen
und an das andere Ufer vorauszufahren.Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
23Nachdem er sie weggeschickt hatte,
stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten.
Als es Abend wurde, war er allein dort.
24Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt
und wurde von den Wellen hin und her geworfen;
denn sie hatten Gegenwind.
25In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen;
er ging auf dem See.
26Als ihn die Jünger über den See kommen sahen,
erschraken sie,
weil sie meinten, es sei ein Gespenst,
und sie schrien vor Angst.
27Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen
und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es;
fürchtet euch nicht!
28Petrus erwiderte ihm und sagte:
Herr, wenn du es bist,
so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
29Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot
und kam über das Wasser zu Jesus.
30Als er aber den heftigen Wind bemerkte,
bekam er Angst.
Und als er begann unterzugehen,
schrie er: Herr, rette mich!
31Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn
und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger,
warum hast du gezweifelt?
32Und als sie ins Boot gestiegen waren,
legte sich der Wind.
33Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder
und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
Die Brücke über den Abgrund
Wir werden heute mit einer Szene konfrontiert, die uns ratlos macht. Mitten in der Nacht, mitten auf dem See eine Gestalt! Es ist irgendwie unheimlich!
Ist es nur die aufgeregte Fantasie der Jünger? Ist es eine Erscheinung des Auferstandenen, die der Schriftsteller in die Zeit vor seinem Tod verlegt, wie es die Bibelwissenschaftler zu wissen meinen? Man kann es in der aufgeklärten Zeit nicht hinnehmen, dass solche Erzählungen als reale Begebenheiten dargeboten werden.
Inzwischen breitet sich allerdings auch ein Denken aus, das die strengen Regeln der Naturwissenschaft etwas einschränkt und für Außergewöhnliches offener ist. In anderen Kulturen sind Phänomene wie die geschilderten keine Seltenheit und erregen kaum Aufsehen. Die Meinung, nur das, was in den letzten zwei hundert Jahren in Europa gedacht wurde, habe Gültigkeit für überall und für alle Zeiten, ist inzwischen etwas ins Wanken geraten.
Die Art zu denken - nicht überall gültig
In der Erzählung geht es auch gar nicht darum, welche Art des Denkens die richtige ist, sondern um eine innere Linie, die Jesus in seinem Handeln absteckt.
Versetzen wir uns noch einmal in die Situation des Abends am See. Jesus hatte fünf Tausend Menschen gespeist. Ihren Jubel kann man sich kaum vorstellen.
Jesus erkennt sofort die Gefahr für seine Jünger. Die Begeisterung der Masse würde sie in eine völlig falsche Richtung lenken. Sie würden sich darin sonnen, eine Belohnung einstecken, die sie gar nicht verdient haben, sich aufblähen und aufplustern als die Jünger des großen Meisters und so von dem weit weg kommen, worum es geht.
Sein Leben verstehen- mehr als Wissen
Der äußere Erfolg, der Event, ist es nicht. Er macht nicht die Qualität der Nachfolge aus. Wer das Hochgefühl des großen Ereignisses sucht, ist von der Absicht Jesu weit entfernt. Die Spur, die Jesus verfolgt, ist eher darin zu sehen, dass man sein Leben gerade in seinen Abgründen tiefer verstehen lernt, dass man an Widerständen wächst, dass man Klarheit über sich selbst gewinnt und Echtheit nach außen ausstrahlt. Die Frucht, die man erwarten darf, ist eine Wandlung des ganzen Menschen bis in den Grund der Seele. Dies verträgt sich nicht mit dem lauten Beifall der Menge.
Es ist nur folgerichtig, dass sich Jesus davon distanziert. Es zieht ihn förmlich in die Einsamkeit. Er braucht den Kontakt mit seinem wahren Wesen, mit dem Urgrund, mit jener Instanz in sich selbst, die er „Vater" nennt.
Das ist es, was mit dem so vertrauten Wort „Gebet" bezeichnet wird.
Leuchten wie die Sonne
Jesus wird bei diesem Vorgang so eins mit Gott, dass er verwandelt wird zu seiner Ganzheit als Mensch. Wir dürfen an das Ereignis auf dem Berg denken, wo das Aussehen Jesu sich verändert und sein Gesicht wie die Sonne leuchtet; selbst seine Kleider davon erfasst werden (Mt 17,1-16). An einer anderen Stelle, als Jesus nach dem Gebet vom Berg kommt, wird berichtet: "Es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte" (Lukas 6,19). Wenn nun Jesus über das Wasser geht, dürfen wir das als Wirkung von Stunden seines Betens erkennen. Was von Jesus gesagt wird, dass von ihm ein Licht ausgeht, dass die Schwerkraft aufgehoben ist, dass Kranke geheilt werden, dass er Menschen anzieht, all das wird auch von vielen Mystikern überliefert.
Der Biograf des heiligen Franziskus Thomas von Celano schreibt: "Dort sah man ihn in nächtlichem Gebete, wie er, die Arme in Kreuzesform ausgebreitet, über der Erde schwebte, ein schimmernder Lichtkreis, als Zeuge des wunderbaren Lichtes in seinem Innern, umstrahlte ihn". Weiter unten steht, dass ihn die Stille seiner Gebete ganz verwandelte.
Jesus wie die Heiligen
Warum sollte das, was von den großen Heiligen erzählt wird, nicht auch auf Jesus zutreffen?
Eines dürfte als Tatsache gelten: Durch das Gebet geht eine neue Welt auf, in der Menschen anders fühlen, anders denken, anders begreifen, andere Prioritäten setzen und ganz andere Dimensionen des Dasein offen sind. In der Kraft Jesu wäre es uns möglich, so zu leuchten wie er auf dem Berg, dass eine heilende Kraft von uns ausgeht und dass die Schwerkraft des Körpers aufgehoben ist.
In diese Welt, die Jesus „Glaube" nennt, wollte er seine Jünger einführen.
Dies dürfte der Grund sein, warum er sich ihnen auf so ungewohnte Weise zeigt, sogar so, als ob er sie erschrecken wollte.
Der neue Grund
Für sie ist es kein Leichtes, in den Rahmen einzusteigen, den Jesus ihnen anbietet. Sie fühlen keinen Boden unter sich. Sie sind den Wellen ausgeliefert. Das Wasser kann sie jederzeit verschlingen. Da ist der Gegenwind, der die Kräfte erlahmen lässt. Dazu kommt die Dunkelheit, in der man nicht weiter blickt, die Nacht mit ihren Geheimnissen. In dieser äußerst angespannten Situation taucht eine Gestalt auf gleichsam als die letzte Steigerung der Szene.
Alle Diese Einzelheiten können als Bilder für Einbrüche in ein ganz normales Leben gelten. Menschen, die von Angst, Enttäuschung, Verbitterung, Verzweiflung, Ausweglosigkeit gequält werden, können sich in ihnen wieder finden.
Die Wende des Dramas geschieht, als Jesus sich zu erkennen gibt. Es ist seine vertraute Stimme, welche die Angst beseitigt. In einem der Jünger löst sie sogar einen Überschwang von Gefühlen aus. Die Nähe zu Jesus geht ihm über alles.
Das Unmögliche - möglich!
Das Unmögliche wird möglich: er kann über das Wasser gehen. Aber nur so lange, als er die volle Konzentration auf sein Gegenüber, auf Jesus gerichtet hält. Sobald er sich vom Wind ablenken lässt, sinkt er ein.
Zur Übertragung auf unsere Wirklichkeit taucht eine tragische Szene aus dem zweiten Weltkrieg auf. Der deutsche Priester Abbé Stock musste 1944 französische Widerstandskämpfer zur Hinrichtung begleiten. Er betete mit ihnen auf dem drei Stunden dauernden Marsch und empfahl den Verurteilten, gerade in den letzten Minuten die volle Aufmerksamkeit auf den Namen Jesu Christi zu richten.
Dies hat vielen die Angst genommen. Eines sollten wir aus dem Text festhalten: Wenn wir das Gebet als Ausdruck tiefster Verbundenheit mit der Urkraft Gottesund als Ergriffensein von seiner mächtigen Hand verstehen und uns von nichts ablenken lassen, wird es möglich, über den Abgrund der Angst zugehen.
Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.
Fürbitten vgl. S. 810 ff.
Zur Eucharistiefeier Die Jünger im Boot, Christus kaum zu erkennen: das ist immer wieder die Situation der Jüngergemeinde. Da helfen nicht Angst und Panik, sondern Vertrauen und Glaube an die Nähe des Herrn. Er ist da, wenn auch anders als wir es erwartet haben.
Gabengebet
Herr, unser Gott, wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation, S. 431 ff.
KommunionversPs 147, 12.14
Jerusalem, preise den Herrn, er sättigt dich mit bestem Weizen.
Oder:Joh 6, 51
So spricht der Herr:
Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch;
ich gebe es hin für das Leben der Welt.
Schlussgebet
Barmherziger Gott, wir haben
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für den Tag und die Woche
Der Mut Die Kirche muss verstehbar werden als Weg Jesu zu uns. Er gibt sich in die Geschichte hinein (... Wort, Sakrament, Amt), um sich mitzuteilen und je neu Menschen in seine Nachfolge zu rufen. „Wenn du es bist, dann sag, dass ich kommen soll!" Diese Leidenschaft des Petrus für den Herrn, dieser Mut, das Boot des Gewohnten zu verlassen und auf dem See ihm entgegenzugehen, heißt heute Mut zur Kirche. Wenn Jesus es ist, der in der Kirche ruft, dann brauchen wir den Mut, uns auch auf eine fremde und schwer verständliche Kirche einzulassen. (Klaus Hemmerle)