26. Sonntag -  A 27.09.2026

EröffnungsversVgl. Dan 3, 31.29.30.43.42
Alles, was du uns getan hast, o Herr,
das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan,
denn wir haben gesündigt, wir haben dein Gesetz übertreten.
Verherrliche deinen Namen und rette uns
nach der Fülle deines Erbarmens.
Ehre sei Gott, S. 375 f.
Tagesgebet
Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste LesungEz 18, 25-28

Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, wird er sein Leben bewahren
Lesung
aus dem Buch Ezéchiel.

So spricht der Herr:
25Ihr sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig.
Hört doch, ihr vom Haus Israel:
Mein Weg soll nicht richtig sein?
Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind?
26Wenn ein Gerechter
sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut,
muss er dafür sterben.
Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
27Wenn ein Schuldiger
von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat,
und nach Recht und Gerechtigkeit handelt,
wird er sein Leben bewahren.
28Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat,
einsieht und umkehrt,
wird er bestimmt am Leben bleiben.
Er wird nicht sterben.
AntwortpsalmPs 25 (24), 4-5.6-7.8-9 (Kv: 6ab)
Kv Gedenke deines Erbarmens, o Herr,GL 623, 2
und der Taten deiner Gnade! - Kv
4Zeige mir, Herr, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
5Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heiles. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. - (Kv)
6Gedenke deines Erbarmens, Herr, /
und der Taten deiner Gnade; *
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
7Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! *
Nach deiner Huld gedenke meiner, Herr, denn du bist gütig! - (Kv)
8Der Herr ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
9Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. - Kv

Zweite LesungPhil 2, 1-11

Seid so gesinnt wie Christus Jesus!
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppi.
Schwestern und Brüder!

1Wenn es eine Ermahnung in Christus gibt,
einen Zuspruch aus Liebe,
eine Gemeinschaft des Geistes,
ein Erbarmen und Mitgefühl,
2dann macht meine Freude vollkommen,
dass ihr eines Sinnes seid,
einander in Liebe verbunden,
einmütig, einträchtig,
3dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut.
Sondern in Demut
schätze einer den andern höher ein als sich selbst. 4Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
sondern auch auf das der anderen.
5Seid untereinander so gesinnt,
wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
6Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
7sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
8er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
9Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
10damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
11und jeder Mund bekennt:
Jesus Christus ist der Herr
zur Ehre Gottes, des Vaters.
Oder Kurzfassung:
Zweite LesungPhil 2, 1-5
Seid so gesinnt wie Christus Jesus!
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppi.
Schwestern und Brüder!
1Wenn es eine Ermahnung in Christus gibt,
einen Zuspruch aus Liebe,
eine Gemeinschaft des Geistes,
ein Erbarmen und Mitgefühl, 2dann macht meine Freude vollkommen,
dass ihr eines Sinnes seid,
einander in Liebe verbunden,
einmütig, einträchtig,
3dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut.
Sondern in Demut
schätze einer den andern höher ein als sich selbst.
4Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
sondern auch auf das der anderen.
5Seid untereinander so gesinnt,

wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.

Ruf vor dem EvangeliumVers: Joh 10, 27
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie und sie folgen mir.
Halleluja.

EvangeliumMt 21, 28-32

Später reute es ihn und er ging hinaus. - Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Er ging zum ersten
und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ich will nicht.
Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30Da wandte er sich an den zweiten
und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr -
und ging nicht hin.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Amen, ich sage euch:
Die Zöllner und die Dirnen
gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32Denn Johannes ist zu euch gekommen
auf dem Weg der Gerechtigkeit
und ihr habt ihm nicht geglaubt;
aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen
und doch habt ihr nicht bereut

und ihm nicht geglaubt.

Die Umkehr, die alle fordern und niemand will

"Zöllner und Dirnen kommen eher in das Reich Gottes als ihr"(Matthäus 21, 31). Diesen Satz spricht Jesus zu Menschen, die Religion hochhalten und zu denen man aufschaut. Er verlangt eine Umkehr von denen, die eigentlich in (der) Ordnung sind und lobt die diejenigen, die außerhalb stehen. Dies ist eine gewaltige Herausforderung für alle, die ein anständiges Leben führen. Wir müssen uns die Frage gefallen lassen: Ist unser ganz gewöhnliches, bürgerliches Leben wirklich so in Ordnung? Nach dem, was man an kritischen Stimmen hört, darf man daran leichte bis stärkere Zweifel haben. Denn „Umkehr" fordern inzwischen fast alle: die Kirchenleitung vom Kirchenvolk, das Kirchenvolk von der Kirchenleitung, die Grünen, die Kulturkritiker, die Kommentare in den Zeitungen, im Facebook und in der Abendschau. Hinter jeder mit Zorn vorgetragenen Meinung, steckt der Vorwurf, dass die anderen nicht so sind, wie sie (nach der Vorstellung der Schreiber oder Sprecher) sein sollten.
Den Kirchenkritikern liegt es sehr nahe, die Worte Jesu für die eigene Position zu nehmen und den Aufruf zur Umkehr von unten nach oben zu richten. Bei allen Wortgefechten ändert sich so viel wie nichts.
Um weiterzukommen, ist es hilfreich, das Gleichnis von den beiden ungleichen Brüdern, das uns Jesus heute anbietet, genauer zu betrachten. Der eine sagt Ja und tut es doch nicht, der andere sagt Nein, und handelt dann doch richtig. Im Grunde sind wir es beide. Jeder von uns hat eine Vorder-und eine Rückseite. Die Vorderseite ist der Teil unseres Wesens, mit dem wir nach außen funktionieren, womit wir unser Geld verdienen, der uns beliebt und angesehen macht, welcher dem Chor der Kritiker, der moralisch Empörten und gern gehörten Meinungen zustimmt, die zur Schau getragene Sicherheit und Überlegenheit..
Die Rückseite ist allerdings ist etwas ganz anderes: die ganz eigenen Interessen, die gar nicht so edel sind, die Unzufriedenheit mit sich selbst, die Angst, in Ungnade zu fallen, die Unsicherheit, die Einsamkeit, die innere Leere und Ausweglosigkeit. Den wenigstens ist bewusst, dass auf der Rückseite auch kostbare Schätze verborgen sind: Die Fähigkeit, aus ganz anderen Quellen sein Leben zu gestalten, die alten Schablonen des Denkens und Handelns aufzugeben, neu und lebendig zu werden, an den hohen Wert des Daseins, an Gott zu glauben. Im rückwertigen Teil unseres Seelenhauses liegt die Chance, die unserem Leben eine andere Richtung gibt, welche die vorherrschenden Interessen umdreht, welche einem keine neuen Lasten auferlegt, vielmehr neue Lebensqualität schenkt.

Dies ist die Umkehr, die Jesus meint. Sie geht nicht, ohne dass der rückwertige Teil unseres Selbst dazu Ja sagt. Dies ist am ehesten dann der Fall, wenn der vordere Teil ins Wanken gerät. Wer nur vom Leben bestätigt wird, wer in guter Position und im Wohlstand lebt, wer sich im Religiösen nichts vorzuwerfen braucht, hat keinen Grund, sich in Frage stellen zu lassen und Neues, Ungewohntes zu wagen.
Anders ist es bei denen, die Jesus heute lobt: die Zöllner und Dirnen. Er sieht eher das Elend, das ihre Lebensgeschichte bestimmt, als die verwerfliche Tat, er interessiert sich mehr für das Leiden der Menschen als für die Sünde. Gerade das schwere Schicksal wurde bei denen, die Jesus herausstellt, Anlass zur Umkehr. Es ist die Not, die sie treibt, das ausgestoßen sein, die Verachtung, die Einsamkeit, die sie zu den neuen Chancen des Lebens öffnet. In ihnen hat sich eine Wende vollzogen, die das ganze Herz umfasst. Die angemahnte Umkehr ist nicht zu haben, indem wir eindringlichen Appellen folgen und uns gewaltsame Vorsätze machen. Die sind meistens bald vergessen. Umkehr ist vielmehr ein Prozess. Es ist etwas, das wir nicht machen, sondern das mit uns geschieht. Es tritt dann am ehesten ein, wenn wir verunsichert sind, den Boden unter den Füßen verloren haben, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn uns bewusst ist, dass wir Hilfe brauchen. Es beginnt nicht bei der Frage: Was muss ich tun? Sondern: Worunter leide ich? Dann kann es sein, dass uns etwas wie ein Sturm aufwühlt, dass sich etwas wie das Salz in der Speise anfühlt, dass etwas wirkt wie der Sauerteig im Mehl und wie die Saat auf dem Acker wächst.
Das gute Beispiel der Sünderin, von der Lukas(7,36-50) berichtet, und des verlorenen Sohnes besteht darin, dass sie sich der Dunkelheit ihres Lebens stellten, die Frau beim vornehmen Gastmahl, der junge Mann im Schweinestall. Die Umkehr, die Jesus meint, beginnt beim demütigen Blick ins Innere, bei den Tränen und bei den Träumen. Wer der eigenen Bedürftigkeit nicht mehr ausweicht, weckt die Kräfte, die ein neues Leben beginnen lassen. Echte Wandlung mit neuem Denken ist möglich, wenn man vor sich selbst nicht mehr davon läuft.

Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.
Fürbitten vgl. S. 810 ff.
Gabengebet

Barmherziger Gott, nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation, S. 431 ff.
KommunionversPs 119 (118), 49-50
Herr, denk an das Wort für deinen Knecht,
durch das du mir Hoffnung gabst!
Sie ist mein Trost im Elend.
Oder:Vgl. 1 Joh 3, 16
Die Liebe Gottes haben wir daran erkannt,
dass Christus sein Leben für uns gegeben hat.
So müssen auch wir das Leben hingeben für die Brüder.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott, in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit, mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.


Für den Tag und die Woche
Die Umkehr tun
Die große Schuld des Menschen
sind nicht die Sünden, die er begeht -
die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering.
Die große Schuld des Menschen ist,
dass er in jedem Augenblick
die Umkehr tun kann und nicht tut. (Rabbi Bunam)