Frauen in der Kirche -

Diskriminiert statt gleichberechtigt


.Bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Benedikt auf dem Petersplatz sah ,man wie kaum sonst die katholische Kirche, wie sie nach außen in Erscheinung tritt. Ein fast endloser Zug von alten Männern in exotischer Kleidung mit verschlossenen Gesichtern. Anschließend verschiedene Handlungen von Personen, die eher Zeit verzögern als etwas über den Sinn der Trauerfeier ausdrücken. Kritische Zuschauer - nicht nur Frauen- fragen: Wo bleiben die Frauen? Soll das die Kirche Jesu Christi sein? Ein Verein von alten Männern? Man kann junge Frauen hören: In dieser Kirche kann ich nicht zuhause sein. Als Frau habe ich keine Chance, gleichberechtigt, auf Augenhöhe mitzudenken, mitzuwirken, mitzuentscheiden, solange mir nicht auch das Weihesakrament offensteht. Der Vorwurf steht im kirchlichen Raum und kann nicht so leicht unterdrückt werden: In der Kirche werden die Frauen diskriminiert und von Gleichberechtigung kann keine Rede sein. Nehmen wir einmal eine junge Frau, die ihr Theologiestudium absolviert hat. Zur gleichen Zeit hat es auch ein junger Mann in ihrem Alter, der sich für das Priestertum entschieden hat. Er wird einmal in der Pfarrgemeinde die erste Rolle spielen. Sie kann als Frau im besten Fall als Pastoralreferentin angestellt werden, aber dann die zweite Position einnehmen. Die entscheidenden Fragen sind: Wer predigt am Sonntag? Wer steht am Sonntag vor den Leuten? Wer kann sich vor den Leuten darstellen? Wessen Wort gilt? .Es ist immer noch selbst bei allem guten Willen an die Männer gebunden. Es wird verständlich, dass sich hier viel Enttäuschung, Ärger, Zorn und Handlungsbedarf angesammelt hat, was auf den Sitzungen des "Synodalen Weges " zum Ausdruck kommt oder zum Thema eines engagierten Gottesdienstes wird.                                   Zu diesem gehört es ja, dass man auf die Texte des Ursprungs zurückgreift. Bei dieser Gelegenheit wurde aus einem Schreiben zitiert, das unmittelbar die spirituelle und gesellschaftliche Situation einer frühchristlichen Gemeinde wiedergibt. Es geht um ein Wort des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien, einer Landschaft  oder einem Ort in der heutigen Türkei.: „Wir alle sind durch die Taufe nicht mehr Juden und Griechen, nicht mehr Sklaven und Freie, nicht mehr Männer und Frauen, sondern eins in Jesus Christus"(Gal.3,28) In diesen Worten ist die  Gleichheit aller klar dokumentier, aber  sie wird von der Kirche verweigert. Dass hier Zorn bei den Hörer/innen aufsteigt, ist anzunehmen. Sie werden auch mit dieser Gestimmtheit den Gottesdienst verlassen und sicher auch  mit der Genugtuung, dass ein berechtigtes Anliegen endlich öffentlich gemacht wurde, dass man sich bestätigt und gestärkt weiß im Widerstand gegen die Amtskirche. Die Frage ist berechtigt: Ist dies der Sinn  eines Gottesdienstes  oder eher der einer politischen Versammlung? Nach christlicher Auffassung ist der Friede das Ziel einer gelungenen  Liturgie, dass man ergriffen von der heiligen Handlung weggeht ohne mit Emotionen aufgeladen zu sein gegen jemand, wer immer es sein mag. So einleuchtend die Aussge des Paulus  (Gal 3,28) sein mag, man muss jedoch zu deren Verstehen die  genaueren Hintergründe anschauen.Man beruft sich mit diesem Zitat auf eigene Taufe  und setzt sie der der Galater in den Jahren um 50 n.Chr. gleich.                                                                                                                             Man sollte aber kritisch beachten. Die Taufe, die Paulus anspricht, ist von der Wirkung her nicht dieselbe, die wir als Kleinstkinder empfingen. Sie war einmal die Wandlung Erwachsener bis in die letzte Spitze ihrer Existenz, ihres Erlebnisrahmens, ihrer Wertvorstellungen und Motivationen, sodass sie sich aus ihrer bisherigen religiösen Welt lösten und in eine völlig neue eintauchten.. Der Apostel spricht deshalb von einer neuen Schöpfung, die den von Natur und Umgebung geschaffenen Rahmen des Denkens durchbricht. Dies wurde möglich, weil bei der Verkündigung des Apostels ein Funke übersprang, der ein Feuer entfachte. Von seiner  Persönlichkeit ging eine Wirkung aus, die ähnlich der von Jesus Menschen in ihren Bann zog. Das spirituelle und menschliche Niveau war deshalb ein ganz anderes als das unserer kirchlichen Gemeinden, deren Vorsteher und Mitarbeiter. Damit war eine spürbare, erlebte Einheit gegeben, keine nur gepredigte und geglaubte. Es gibt wohl keinen Grund zu behaupten, dass das spirituelle Niveau der kirchlichen Personen, ob Laien, ob geweihte oder nicht geweihte Seelsorger/innen, ob Lehrende und Verkünder/innen, wesentlich höher sei als das  der jüdischen Gemeinden und der Schriftgelehrten zur Zeit Jesu. Das würde bedeuten: Wir Christen von heute haben Jesus so viel oder so wenig verstanden wie die Menschen zu seiner Zeit. Dabei dürfte man hinter dem „so viel" noch ein großes Fragezeichen setzen. Die Vorstellung, dass wir durch die (Kinder) -Taufe schon wesentlich anders sind als die Nichtgetauften und damit wesentliche Rechte haben, ist kritisch Denkenden heute schwer zu vermitteln. Daraus ergibt sich: Um die volle Gleichheit aller Glaubenden zu erlangen, wie sie im Galaterbrief ausgesagt ist, bräuchte es auch das spirituelle Niveau, die Tiefe und Radikalität der existentiellen Wandlung und die Überzeugungskraft der frühen Christen, jene Wirkungen, die mit dem Symbol „Taufe" einmal verbunden waren. Wer immer sich auf die Aussagen der Frühzeit des Christentums beruft, sollte auch ihren emotionalen und spirituellen Hintergrund mit in den Blick nehmen. Erst dann wird man deren Inhalt gerecht. Die Inhalte eines Wortes in einer anderen Kultur d.h. was damit an Erfahrung und Erleben angesprochen wird, sind nach 2000 Jahren  nicht dieselben, auch wenn sie  aus denselben Buchstaben bestehen.. Im Brief an Titus (Tit 3, ist die Rede  vom „Bad der Wiedergeburt" und von der „Erneuerung im Heiligen Geist."(Tit3,5). Die Worte haben  bei den Christen des ersten und zweiten Jahrhunderts eine andere Reaktion ausgelöst, als bei den Kirchenbesuchern am Weihnachtstag unserer Zeit, an dem diese Stelle gelesen wird. Wurde doch damit die Taufe als das wichtigste Ereignis ihres Lebens angesprochen, was die Leser und Zuhörer unmittelbar berührt hat.                                                                                                                                                                                                                                                                                           Was heißt das nun für die angestrebte Wertschätzung und Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche? Nach allem, wie es bei der obersten Kirchenleitung aussieht, wird den Frauen der Zugang zum Priestertum weiter verwehrt sein, nicht aber der Zugang zur Kraft und zum spirituellen Niveau der frühen Kirche. Dieser Weg ist kein billiger Ersatz für das eigentliche Anliegen, sondern die unbedingte Notwendigkeit fder   Kirche, damit sie in einer neuheidnischen Gesellschaft bestehen und sie gestalten kann. Gesucht wird heute eine ganzheitliche, emotionale wie spirituelle Wirkung auf die ganze Existenz wie die, welche von Paulus ausging. Dies war ja der Grund seines Erfolges. Einen kleinen Schimmer davon kann man wahrnehmen bei der Übung der strengen Zen-Meditation. Nach der Sitzung spüren Teilnehmer eine Atmosphäre, in der man sich angenommen und geborgen weiß. Dagegen ist bei Personen, diese Art der Meditation nicht kennen, selbst wenn sie theologisch gebildet sind, eine solche Stimmigkeit nicht wahrzunehmen. Eher sind sie sich innerlich Fremde, die sich gegeneinander abschotten, oft ablehnend und abweisend.                                                                                                     Die Aussagen der christlichen Frühzeit über die Taufe kommen aus der Erfahrung der Tiefe, die einmal mit diesem Sakrament verbunden war, aber heute ein fernes Ziel ist. „Von einem Herz und einer Seele"(Apg.4,32), welche christliche Gemeinden einmal auszeichneten, kann man heute nicht so leicht reden. Stattdessen muss man feststellen, dass die Getauften zerstritten sind, ihnen es lieber ist, wenn sie manche nicht sehen, statt dass sie sich aufeinander und miteinander freuten. Noch einmal sollte deutlich werden: Die Taufe, wie sie bei uns praktiziert wird, hat im Grunde keine Wirkung auf das tatsächliche Erleben und Verhalten.                                                                                                                                                                                                                                                                             Wenn nun beim Thema Gleichberechtigung auf die Taufe zurückgegriffen wird, kann das nur als Ideal und Forderung, als Belehrung und Ermahnung verstanden werden, nicht eine tatsächliche Befindlichkeit. Die Menschen von heute suchen jedoch nicht Belehrung und Ermahnung, sondern Erfahrung. Diese könnte in der so heißen Debatte um die Stellung der Frau in der Kirche weiterhelfen. Zu denken ist an die frühen Christen, deren Erlebniswelt sich in den überlieferten Schriften niederschlägt. Dazu gibt durchaus Parallelen in unserer Zeit. Eine davon habe ich persönlich kennengelernt. Ich wurde von einer Gemeinschaft, die sich als modernes Kloster bezeichnet, zu einem Vortrag über Träume eingeladen. . Als ich von einer FRau aus dieser Gruppe  abgeholt wurde, spürte ich sofort die Tiefe und gemeinsame Schwingung und dies  ebenso in dem Haus- einem  renovierten Schloss. Bei meinen Gedanken  über die Träume fühlte ich mich sofort verstanden.

Meine Aussage über das Thema „Diskriminiert statt leichberechtigt" lautet deshalb: Der Weg zur Gleichheit und Gleichwertigkeit aller geht über die Selbsterfahrung, über die Frage „Wer bin ich?" Es ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, der Innere Weg, der das Wachstum der Persönlichkeit über sich selbst hinaus und zu einem erfüllten Dasein führt. Die Zustimmung von außen tritt dann immer mehr zurück. Ich muss meinen eigenen Wert, der aus der Tiefe der Existenz kommt, entdecken und bejahen, sodass ich nicht mehr auf die Anerkennung von außen angewiesen bin. Personen, die ihre innere Sicherheit gefunden haben, Authentizität und Vertrauen ausstrahlen, müssen nicht um Positionen kämpfen. Die rechte Einschätzung und Achtung ergeben sich von selbst, auch wenn es längere Zeit braucht und man Phasen durchmachen muss, wo man als letzte erscheint. Dann geschieht es, dass jenes Zitat aus dem Galaterbrief eine erfahrene Wirklichkeit wird "Nicht mehr Sklaven und Freie, nicht mehr Männer und Frauen, sondern eins in Jesus Christus"(Gal.3,28).