Die Frauen in der Kirche -

Gleichwertig und gleichbrechtigt 

Zur Bewegung 2.0

In einem Gottesdienst zum Thema Frauen in der Kirche wurde das Zitat angeführt: „Wir alle sind durch die Taufe nicht mehr Juden und Griechen, nicht mehr Sklaven und Freie, nicht mehr Männer und Frauen, sondern eins in Jesus Christus"(Gal.3,28).

Die erste Frage: Mit welchem Gefühl verlassen die Teilnehmer den Gottesdienst? Mit Zorn, mit Genugtuung, dass dieser endlich zum Ausdruck kam, dass ein berechtigtes Anliegen endlich öffentlich gemacht wurde? Dass man sich bestätigt und gestärkt weiß im Widerstand gegen die Amtskirche, gegen die Vorgesetzten? Oder ging man weg ganz ergriffen von dem Ereignis, ohne Emotionen gegen jemand, wer immer es sein mag?
Das zuletzt Genannte darf man als endgültigen Sinn des Gottesdienstes sehen. Es ist eigentlich der Friede, der sich im Ergriffensein ereignet. Zu der Aussage von Paulus im Galaterbrief (Gal 3,28) gilt die Überlegung: Man beruft sich theologisch begründet auf die Taufe, die Paulus zitiert. Man sollte aber kritisch unterscheiden. Die Taufe, die Paulus anspricht, ist der Wirkung her nicht dieselbe, die wir als Kleinstkinder empfingen. Sie war einmal die Wandlung Erwachsener bis in die letzte Spitze ihrer Existenz, ihres Erlebnisrahmens, ihrer Wertvorstellungen und Motivationen, sodass sie sich aus ihrer bisherigen religiösen Welt lösten und in eine völlig neue eintauchten.. Der Apostel spricht deshalb von einer neuen Schöpfung, die den von Natur und Umgebung geschaffenen Rahmen des Denkens durchbricht. Dies wurde möglich, weil bei der Verkündigung des Apostels ein Funke übersprang, der ein Feuer entfachte. Von seiner der Persönlichkeit ging eine Wirkung aus, die ähnlich wie bei Jesus Menschen in ihren Bann zog. Das spirituelle und menschliche Niveau war deshalb ein ganz anderes als das unserer kirchlichen Gemeinden, deren Vorsteher und Mitarbeiter. Damit war eine spürbare, erlebte Einheit gegeben, keine nur gepredigte und geglaubte.                                   Gibt es einen Grund zu behaupten, dass die ganz gewöhnliche religiöse Einstellung der kirchlichen Personen, ob Laien, ob geweihte oder nicht geweihte Seelsorger/innen, ob Lehrende und Verkünder/innen, wesentlich höher ist als die der jüdischen Gemeinden und der Schriftgelehrten zur Zeit Jesu? Das würde bedeuten: Wir Christen von heute haben Jesus so viel oder so wenig verstanden als die Menschen zu seiner Zeit. Dabei dürfte man hinter dem „so viel" noch ein großes Fragezeichen setzen. Die Vorstellung, dass wir durch die (Kinder) -Taufe schon wesentlich anders sind als die Nichtgetauften und damit wesentliche Rechte haben, ist kritisch Denkenden heute schwer zu vermitteln.                                                                                                                Daraus ergibt sich: Im die volle Wertschätzung und Rechte aller Glaubenden zu erlangen, braucht es das spirituelle Niveau, die Tiefe und Radikalität der existentiellen Wandlung und die Überzeugungskraft der frühen Christen, jene Wirkungen, die mit dem Symbol  „Taufe" einmal verbunden waren. Wer immer sich auf die Aussagen der Frühzeit des Christentums beruft, sollte auch ihren emotionalen und spirituellen Hintergrund mit in den Blick nehmen. Erst dann wird man deren Inhalt gerecht. Die Inhalte eines Wortes, d.h. was damit an Erfahrung und Erleben angesprochen wird, sind nach 2000 Jahren in einer anderen Kultur nicht dieselben, auch wenn es nach 2000 Jahren aus denselben Buchstaben besteht. Im Brief an Titus (Tit 3, ist die Rede ist vom „Bad der Wiedergeburt" und von der „Erneuerung im Heiligen Geist." Es dürfte bei den Christen des ersten und zweiten Jahrhunderts eine andere Reaktion ausgelöst haben, als bei den Kirchenbesuchern am Weihnachtstag unserer Zeit, an dem diese Stelle gelesen wird. Wurde doch damit die Taufe als das wichtigste Ereignis ihres Lebens angesprochen, was die Leser und  Zuhörer unmittelbar berührt hat.                                                                                               

    Was heißt das nun für die angestrebte Wertschätzung und Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche?   Nach allem, wie es bei der obersten Kirchenleitung aussieht, wird den Frauen der Zugang zum Priestertum weiter verwehrt sein, nicht aber der Zugang zur Kraft und zum spirituellen Niveau der frühen Kirche. Dieser Weg ist kein billiger Ersatz für das eigentliche Anliegen, sondern die unbedingte Notwendigkeit für die  Kirche, damit sie in einer neuheidnischen Gesellschaft bestehen und sie gestalten kann..                                                    Gesucht wird heute eine ganzheitliche, emotionale wie spirituelle Wirkung auf die ganze Existenz wie die, welche von Paulus ausging. Dies war ja der Grund seines Erfolges. Einen kleinen Schimmer davon kann man wahrnehmen bei der Übung der strengen Zen-Meditation. Nach der Sitzung spüren Teilnehmer eine Atmosphäre, in der man sich angenommen und geborgen weiß. Dagegen ist bei Personen, diese Art der Meditation nicht kennen, selbst wenn sie theologisch gebildet sind, eine solche Stimmigkeit nicht wahrzunehmen. Eher sind sie sich innerlich Fremde, die sich gegeneinander abschotten, oft ablehnend und abweisend.
Die Aussagen der christlichen Frühzeit über die Taufe kommen aus der Erfahrung der Tiefe, die einmal mit diesem Sakrament verbunden war, aber heute ein fernes Ziel ist. „Von einem Herz und einer Seele"(Apg.4,32), welche christliche Gemeinden einmal auszeichneten, kann man heute nicht so leicht reden. Stattdessen muss man feststellen, dass die Getauften zerstritten sind, ihnen es lieber ist, wenn sie manche nicht sehen, statt dass sie sich aufeinander und miteinander freuten. Noch einmal sollte deutlich werden: Die Taufe, wie sie bei uns praktiziert wird, hat im Grunde keine Wirkung auf das tatsächliche Erleben und Verhalten. Wie es das Verhältnis zu Gott bestimmt, darüber Genaueres zu sagen, sollte man sehr bescheiden sein.


Wenn nun beim Thema Gleichberechtigung auf die Taufe zurückgegriffen wird, kann das nur als Ideal und Forderung, als Belehrung und Ermahnung verstanden werden, nicht eine tatsächliche Befindlichkeit. Die Menschen von heute suchen jedoch nicht Belehrung und Ermahnung, sondern Erfahrung. Diese könnte in der so heißen Debatte um die Stellung der Frau in der Kirche weiterhelfen. Zu denken ist an die frühen Christen, deren Erlebniswelt sich in den überlieferten Schriften niederschlägt.. Dazu gibt durchaus Parallelen in unserer Zeit. Eine davon habe ich persönlich kennengelernt. Ich wurde von einem sogenannten modernen Kloster zu einem Vortrag über Träume eingeladen. Es ist Gut Saunstorf und liegt zwischen Lübeck und Schwerin. Als ich von einer Dame von dort abgeholt wurde, spürte ich sofort die Tiefe und gemeinsame Schwingung und ebenso in dem Haus- einem gelungen renovierten Schloss. Bei meinen Aussagen über Träume fühlte ich mich sofort verstanden.:

Meine Aussage über das Thema „Gleichwertig und gleichberechtigt" lautet deshalb: Der Weg zur Gleichheit und Gleichwertigkeit aller geht über die Selbsterfahrung, über die Frage „Wer bin ich?" Es ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, der Innere Weg, der das Wachstum der Persönlichkeit über sich selbst hinaus und zu einem erfüllten Dasein führt. Die Zustimmung von außen tritt dann immer mehr zurück. Ich muss meinen eigenen Wert, der aus der Tiefe der Existenz kommt, entdecken und bejahen, sodass ich nicht mehr auf die Anerkennung von außen angewiesen bin. Personen, die ihre innere Sicherheit gefunden haben, Authentizität und Vertrauen ausstrahlen, müssen nicht um Positionen kämpfen. Die rechte Einschätzung und Achtung ergeben sich von selbst, auch wenn es längere Zeit braucht und man Phasen durchmachen muss, wo man als letzte erscheint.  Dann geschieht es, dass jenes Zitat aus dem Galaterbrief eine erfahrene Wirklichkeit wird  "Nicht mehr Sklaven und Freie, nicht mehr Männer und Frauen, sondern eins in Jesus Christus"(Gal.3,28).