Die Kirche am Nullpunkt oder Wendepunkt

Eine persönliche Geschichte  


Ich bin  Jahrgang 1939, seit 1959 Kapuziner, seit 1965 Priester.  Ich habe nach 6 Jahren Seelsorgetätigkeit  schmerzlichst wahrnehmen müssen, dass die herkömmliche pastorale Ausbildung bei einem großen Teil der jungen und nicht mehr jungen  Menschen nicht mehr greift. Es war die Zeit der 68-Jahre mit den Studentenunruhen und Umbrüchen. Ich habe dann die neuen Formen der Selbsterfahrung, die damals aufkamen, entdeckt,

auch die der Meditation bei Graf Dürckheim. Ich habe dann das volle Studium der Psychologie mit anschließender Psychoanalyse auf mich genommen  und eine neue Form der Seelsorge entwickelt,die bei der Not und den Problemen der Menschen ansetzt, die echte Veränderung und Besserung bewirkt, die für alle, auch für Nicht-Glaubende zugänglich ist. Ich konnte feststellen, dass es möglich ist, das Religiöse als wesentlichen Lebensimpuls zu erschließen und den Glauben zu vertiefen. Es entstanden spirituelle Kreise, die bis heute nach 40 bzw.30 Jahren zusammenkommen.Auf diesem Hintergrund möchte ich einiges zum angesprochenen Thema sagen.

                                                                                               Dazu ist  der  Tiefenpsychologe C.G. Jung schon vor hundert Jahren auf Grund der  Erfahrung mit sich selbst und  der seiner Patienten zu dem Ergebnis gekommen: Jeder Mensch hat eine religiöse Anlage!    "Wie das Auge der Sonne, so entspricht die Seele Gott...auf alle Fälle muss die Seele eine Beziehungsmöglichkeit, d.h eine Entsprechung zum Wesen Gottes haben" Diese Entsprechung nennt er den Archetyp des Gottesbildes..(C.G.Jung.GW.12,24) oder das „Selbst". Es ist das Zentrum der Ganzheit von Bewusstem und Unbewussten, von Herz und Verstand. Jung nennt diese Instanz auch Gefäß der göttlichen Gnade. Diese Instanz wirkt eigentätig. Sie kann geweckt werden durch alles, was einen zutiefst berührt, Freude oder Schmerz, und durch die absolute Stille, was ja eine totale Konfrontation mit sich selbst beinhaltet. In diesem Sinn sei auf Paul Tillich verwiesen, der von Gott spricht als von dem „Symbol, das einen unbedingt angeht".Die Frage, die heute gestellt ist, lautet:

Wie kann die Religion wieder Relevanz gewinnen:                                                                                                                                                                                                                                             Es geschieht am ehesten dann, wenn sich Menschen in ihrer tatsächlichen Lebenssituation verstanden fühlen und ihnen die Wege der Transzendenzerfahrung zugänglich gemacht werden.  Noch einmal:   Das Religiöse als spirituelle Urerfahrung kann erschlossen werden.                                                                                                                                                                                                                 Die Kirche muss der modernen Religionslosigkeit nicht ratlos gegenüberstehen. Dies hängt davon ab, inwieweit man die neuen Möglichkeiten wahrnimmt. Es hat sich erwiesen, dass auf diesem Weg Menschen wieder religiös werden und zum Glauben finden  bzw. durch die Stille- Meditation des Zen die Kraft des Glaubens neu entdecken. Es geht darum, die Kraft der frühen Kirche zu gewinnen. Denn sie hat einmal das Heidentum überwunden. Warum soll dies heute nicht möglich sein?Für den Seelsorger heißt dies in Umkehrung der Klage Eugen Bisers, dass er die Fähigkeit erwirbt, „auf seine (des Menschen) Sorgen verstehend  einzugehen, seinem vielfach frustrierten Glücksverlangen entgegenzukommen und ihm in seiner Überforderung, Vereinsamung und Lebensangst einen Raum des Aufatmens, der Solidarität und der Geborgenheit zu bieten."(Eugen Biser , Glaubensverständnis, Freiburg 1975, 132).Seelsorger müssen  nicht Therapeuten im eigentlichen Sinne sein, aber was spricht  dagegen, dass sie sich  die geforderte Einstellung, die von einem Psychotherapeuten gefordert wird, aneignen, nämlich„bedingungslose Wertschätzung, einfühlendes Verstehen und Authentizität, Echtheit;ebenso  die Tiefe, die Ausstrahlung, die Radikalität der Zen-Meditierenden! Es beginnt damit, dass man die Anziehung und den Wert der Stille entdeckt.                                                                   Ich habe meine Erfahrungen und meine Sicht der Probleme in Klein-Schriften und Büchern beim vier-türme-Verlag veröffentlicht.Mit den beschriebenen  Wegen hätte die Kirche einen festen Stand auf dem Feld der modernen geistigen Strömungen und es wäre möglich,die moderne Säkularisierung zu überwinden.

 Dazu  meine Veröffentlichungen:

Die Verwaltung des Untergangs - Keine Hoffnung für Klöster und Kirche? Münsterschwarzach 2017

Stopp, Die Umkehr, die alle fordern und niemand will" ,Kirchheim 2019 

Weitere Veröffentlichungen auf dem Hintergrund von Psychologie und neuen spirituellen Wegen  sind unter www.guido-kreppold.de, meine Bücher  zu finden.

Die Kirche am Nullpunkt

Besinnungstag für Besorgte


Samstag 28.Mai 2022 10.00 bis 16.00

Der Kirche laufen die Leute in Scharen davon! Wo laufen sie denn hin? Nicht mehr in die Beichtstühle, sondern in die psychotherapeutische Praxis, nicht mehr sind die Kirchen voll, sondern die Listen bei den Zen-Kursen. Die Menschen suchen Hilfe in ihrer existentiellen Not und in ihrer Suche nach einem tieferen Sinn ihres Lebens. Dabei geschieht dort nichts anderes als Menschen in ihrem Leid anzunehmen und den Wert der Stille zu entdecken.
Genau das ist die Praxis und Botschaft Jesu!

Es wäre der Auftrag und die Chance der Kirche.
Beginn 28.05.10.00 Uhr 12.00 Mittagessen

Ende gegen 16.00
Bildungshaus der Franziskanerinnen, Kloster Armstorf Dorfener Str. 12 84427 Sankt Wolfgang Tel +49 8081 3038
MfG
Referent: Guido Kreppold, Kapuziner, Priester und Diplompsychologe, Meditationsleiter. www.guido-kreppold.de
Unkosten 10.-€ +Mittagessen
Anmeldung: guido.kreppold@kapuziner.org Tel.015201944581